Klein, günstig, wendig, dass sind die Vorstellungen, die man bekommt, wenn man sich den Mini Star Jet im Graupner-Katalog ansieht. Öffnet man die Verpackung des Mini StarJets, so wird einem gleich bewußt, dass die 60 Euro doch nicht wirklich günstig waren - man erhält ein paar Styropor-Stücke und eine Plastikabdeckung. OK, ich lass mir ja einreden, dass die Entwicklung auch einiges kostet, also von daher geht es schon in Ordnung. Ähnlich verhält es sich bei dem Star Jet (der von einem guten Freund von mir aufgebaut und betrieben wird), dem größeren Styropor-Jet von Graupner. Man erhält eigentlich fast das selbe - nur größer und legt da auch einige Euro mehr auf den Ladentisch. Das Styropor ist einerseits ideal zum Kleben und Reparieren, bei Landungen oder Transport können schon mal Futzelchen abfallen.

Modell

Spannweite

Länge

Gesamtflächenbelastung

Fluggewicht ca.

Preis

Graupner Mini StarJet

850mm

550mm

27g/dm²

550g

€ 50.-





Modell

Spannweite

Länge

Gesamtflächenbelastung

Fluggewicht ca.

Preis

Graupner StarJet

1200mm

780mm

36g/dm²

1470g

€ 60.-






Der Aufbau gestaltet sich relativ einfach. Gerade auch Einsteiger dürften kaum Probleme haben, solch einen Flieger zusammen zu bauen. Das einzige, was wirklich kniffelig ist, ist bei beiden die Haube vorne einzupassen. Etwas fummelig und totaler Schrott sind die mitgelieferten Ruderanlenkungen, die viel zu leicht aufgehen. Hier kann man etwas Zeit investieren, bis sie wirklich optimal eingestellt sind. Und dann noch mit etwas Epoxy-Kleber nachhelfen, damit die Dinger auch wirklich nicht mehr aufgehen. Beim Star Jet sind die Ruderanlenkungen oben, beim Mini StarJet unten, gehen aber trotzdem nicht kaputt. Bescheuert: Beim StarJet darf man die Motoren einkleben. Wenn man mal die Kohlen tauschen muss (und das kann nämlich gerade bei 10 Zellen schneller passieren, als man denkt), hat man ein Problem. Zum Schluss kommt noch der Dekorbogen drauf, was bei der Haube nicht ganz glatt geht und einige Unebenheiten bildet. Schnittig schaut er dann schon aus - sowohl der Star Jet, als auch der Mini-Star Jet - vorallem in der Luft! Reperaturen sind kein Problem, selbst die brutalsten Abstürtze und Brüche bekommt man mit einiges an Epoxy-Kleber wieder hin.


Komplettiert wird der Graupner Mini StarJet mit einem 480L-Motor mit v35-Fahrtenregler und 14x11cm Luftschrauben, alles von Graupner. Hier gleich mal eine eindringliche Empfehlung: Vergisst man die Schottky-Diode (SB530 oder SB540), führt das dazu, dass der Motor ziemlich bald den Geist aufgibt. So bei uns passiert. Die Schottky-Diode ist nämlich nicht nur zur Entstörung da, sondern verhindert auch, dass hohe Spannungsspitzen, die durch die Induktion im Motor auftreten, den Motor zerstören (zumindest scheint das noch die plausibelste Erklärung zu sein, auch wenn ich selbst mit anderen Motoren und nicht angelöteten Schottky-Dioden auch noch keine Probleme hatte). Als Akku dient der Sanyo 7N-CP 1700 SCR, der mit dem GMVIS-Verfahren behandelt wurde; dies reduziert den Innenwiderstand und erhöht so die Spannung bei hoher Last. Braucht mans wirklich? Keine Ahnung. Mit dem Akku habe ich die besten Erfahrungen gemacht, 5A Ladestrom sind kein Problem, auch verkraft es der Akku, wenn man mal beim Laden nicht aufpasst und ihn mit einem Netzteil bei 2.5A 10 Minuten über den vollen Zustand hinaus lädt - er ist so heiß geworden, dass ich mir die Finger verbrannt habe, aber er hat es ohne Schaden überlebt. Anschließend habe ich ein gescheites Ladegerät mit Delta-U-Abschaltung gekauft.

Modell

Motoren

Luftschraube

Fahrtenregler

Akku

Servos

Graupner Mini StarJet

Graupner 480L

14x11cm CamSpeed Prop

Graupner Power v35

8 Zellen Sanyo CP1700SCR (NiCd, 4/5)

Graupner C261



Der Star Jet wird mit zwei C341-Servos bestückt, die C261 müssten aber mit ein bisschen Trickserei auch hineingehen. Als Antrieb kommen ebenfalls Graupner 480L-Motoren zum Einsatz, diesmal zwei und auch der Fahrtenregler und die Warnung mit den Schottky-Dioden ist die gleiche. Komplettiert wird das durch die üblichen CamSpeed 14x11cm Luftschrauben. Als Akku wird hier ein 10-Zeller Sanyo 2400 mAh verwendet, der neben hoher Spannung auch ein hohes Gewicht mitbringt.

Modell

Motoren

Luftschraube

Fahrtenregler

Akku

Servos

Graupner StarJet

Graupner 480L

14x11cm CamSpeed Prop

Graupner Power v35

10 Zellen Sanyo RC2400 (NiCd, SC)

Graupner C341






Die Flugleistungen vom Mini StarJet sind in jedem Fall enttäuschend. Mit dem Competition Antriebsset (dem 480L-Motor von Graupner) sackt der Flieger am Anfang bis zum Boden durch und startet dann etwas schwerfällig. Der Grund dafür wurde schnell gefunden: Eine verkehrt herum montierte Luftschraube. Aber auch mit richtig herum montierter Luftschraube sind die Flugleistungen nicht berrauschend. Der 7-zellige CP 1700 SCR wurde auf 8-Zellen aufgestock (der passt dann gerade noch so rein), auch das konnte man vergessen. Wenn er einmal fliegt, sind die Flugleistungen in Ordnung, mehr aber nicht. Fliegt man mit dem 2400er-8 zelligen NiCD Akku von Sanyo, erhält man einen Flieger, der überhaupt nicht mehr zu steuern ist. Insgesamt kann man den Mini StarJet gleich in die Tonne treten (wir hatten übrigens insgesamt drei Stück, die wir reihenweise - in unterschiedlicher Konfiguration - beim Start schrotteten).

Im Vergleich dazu liefen die zwei Graupner 480L Motoren beim "großen" Star-Jet einige Flüge lang sehr zufriedenstellend und mit guten Steigleistungen und nur marginalem Durchsacken am Start. Mit der Zeit wurden aber die 480iger-Motoren immer schwächer, bis schließlich kaum noch was ging. Beim Ausbau (heißt hier übrigens eine etwas größere Aktion, da man nur mit dem Herausschneiden des Styropors an die Motoren kommt) fiel uns eine hohe Menge Kohlenstaub auf. Es scheint so zu sein, dass mit 10-Zellen die Motoren am absoluten Limit laufen. Anschließend wurden die Multiplex Permax 480iger-Motoren aus dem TwinJet, samt billigst-Luftschrauben 12,5x11cm eingebaut, da wir diese noch rumliegen hatten. Die Steigleistungen waren damit etwas schlechter als mit den 480L-Motoren (wo sie noch in Ordnung waren), die Performance kann aber immer noch als gut angesehen werden. Insgesamt erkauft man sich so die Flugleistung mit einem hohen Aufwand und einem hohen Gewicht.

Die Querruder des StarJets sind recht breit und versprechen gute Wendigkeit Kunstflugmanöver sind natürlich kein Problem, Rollen lassen sich locker fliegen. Loopings gehen zügig, man braucht aber etwas an Durchmesser. Auffällig ist das deutliche Absacken beim Einleiten einer Kurve - eben entsprechend gegensteuern. Der StarJet zeigt sich wendig, aber weit nicht so wendig, wie z.B. der TwinJet. Wer vorher ein Seitenrudermodell geflogen hat, wird angenehm überrascht sein.

Landeanflug: Man muss sich bewußt sein, dass es sich um einen "Jet" handelt. D.h. die Fluggeschwindigkeit ist deutlich höher als z.B. bei einem Segler. Landeanflüge verlangen etwas Übung, hat man die sollte man aber auch damit weiche Landungen gut hinbekommen. Kurz vor dem Aufsetzen kann man noch mal deutlich Geschwindigkeit abbauen und weich und relativ langsam aufsetzen. Bei der Landung beschädigt man beim StarJet schon mal die Luftschrauben, was aber auch kein Wunder ist, wenn die Luftschrauben so überstehen.

Das Pech mit diesen Modellen schien aber nicht abzureißen: Wir diskutierten, ob diese Jets überhaupt trudeln können. Genau einen Tag später passierte das in der Realität. Ich flog mit Rückenwind, leitete eine Rolle ein. Durch den Rückenwind wurde eine Tragfläche nicht mehr ausreichend angeströmt, der Flieger ging in die klassische Trudelbewegung über (Schraubenzieher/Spiralsturtz-ähnlich abwärts). Die erste Umdrehung war ja noch witzig, ab der zweiten wurden das Abfangen mit Quer-/und Höhenruder versucht, nach der dritten Umdrehung war klar, dass das nichts hilft. Nachdem kein Seitenruder beim Star Jet zur Verfügung steht, musste ich mir Umdrehung vier und fünf noch anschauen, bis der Flieger äußerst unsanft auf der Erde aufschlug und zerberstete. Danke des Styropors aber mit etwas Aufwand reparabel.

Inzwischen sind sowohl die Mini StarJets (abgesehen von der 2006 nachgekauften Version), als auch die großen StarJets alle samt auf dem Müll gelandet. Es sind Modelle, die keiner wirklich braucht. Trotzdem scheinen andere Leute mit ihren Fliegern zu frieden zu sein, also unbedingt auch andere Bewertungen lesen.


Mai 2006: Einer der letzten Mini Star Jets hat sich bei mir eingefunden und siehe da, mit 8xGP1100 sieht das ganz anders aus. Der Akku kommt ganz nach vorne, viel weiter, als das Graupner jemals vorgesehen hat. Besser als das Competition Antriebsset mit dem 480L ist ein hochdrehender 23000rpm-480iger Motor, der zusammen mit einer Günther-Prop und fast 20A (ups) doch für ganz akzeptable Flugleistungen sorgt. Die Probleme am Start sind damit weitgehend behoben, OK, sooo schlecht ist der MiniStarJet nun auch wieder nicht, aber eben nicht, so wie ihn damals Graupner empfohlen hat. Cool ist irgendwie die Optik im Flug, ein wirklicher Überflieger wird aus dem Mini Star Jet nicht. Mich wundert es nicht, dass es keinen Mini Star Jet mehr zu kaufen gibt... Styropor ist einfach nicht mehr zeitgemäß und bröckelt und bröckelt...


Zwei nicht mehr zeitgemäße Jets, die nie wirklich richtig gut waren!

Positiv:

  • Ungewöhnliche Optik
  • Negativ:

  • Siehe Text!
  • Wertung:
    5 von 10

    für Leute, die Styropor lieben

    Dieser Artikel wurde zuletzt im August 2006 aktualisiert.